Feeds:
Beiträge
Kommentare

English version here.

Während unserer Sommerferien in den Philippinen verbrachten wir einige Zeit in Manila. Von hier ist es nur eine 2,5 bis 3-stündige Fahrt zur Felsbilderstation von Angono und somit konnten wir natürlich nicht umhin einen kleinen Tagesausflug dorthin zu machen.

Obwohl Angono im Bericht für den Antrag zur Aufnahme in die Unesco Liste des Weltkulturerbes die Fundstätte als Höhle bezeichnet, handelt es sich jedoch um einen Felsvorsprung (Abrí), der sich über eine Länge von 63 m hinzieht und an manchen Stellen eine Höhe von 5 m erreicht. Die Petroglyphen die in unterschiedlicher Tiefe in das Tuffgestein hineingeritzt wurden (von bis zu 4 cm tiefen Linien bis hin zu kaum sichtbaren Ritzungen) befinden sich auf einer tafelartigen Fläche von ca. 25 m Länge und bis zu 3 m Höhe.

Insgesamt 127 anthropomorphe Darstellungen sind derzeit bekannt;

Einige Figuren benutzen bestehende Risse oder Kanten wie zum Beispiel diese hier, deren Beine aus der Seitenwand einer natürlichen Vertiefung bestehen.

hinzu kommen etliche geometrische Motive wie Dreiecke, Vierecke und Kreise, sowie rezente Schrift.

Bis dato sind dies die ältesten Felsritzungen in den Philippinen. Nur noch eine weitere Fundstelle mit Felsritzungen ist bekannt (Alab, Bontoc, Mountain Province); diese sind jedoch um einiges später entstanden (jünger als 1500 v. Chr.) wenn ihre Datierung denn tatsächlich im Zusammenhang mit den Holzsarg-Bestattungen in einer etwas unterhalb von Alab liegenden Höhle zu sehen sind.

Aber nicht nur Felsritzungen sind in den Philippinen bekannt. Mit Holzkohle gemalte Figuren kennen wir aus der Peñablanca Höhle, Cagayan Tal und Ugpay Höhle im Singnapan Becken in Ransang, Palawan und Felszeichnungen aus rotem Hämatit sind von der Anda Halbinsel, Bohol Province bekannt.

Die Datierung ins Neolithikum kann natürlich nicht anhand der Felsritzungen durchgeführt werden, da es bis heute noch kein zuverläßiges Datierungsverfahren dafür gibt. Vielmehr ist die Datierung aufgrund der Ausgrabungen geschehen, welche vor dem Abrí durchgeführt wurden. Obwohl einige paläolithische Kieselstein Werkzeuge (pebble tools) gefunden wurden, stammt doch die Mehrheit der Funde aus dem Neolithikum: grobe bei niedriger Temperatur gebrannte Keramik, Schildkrötenpanzer und vor allem polierte Beile des Neolithikums. Ein gut erhaltenes Exemplar ist in dem kleinen Museum direkt neben der Fundstelle ausgestellt.

Dieses Ergebnis wird noch durch Vergleiche mit anderen datierten Fundstellen in Thailand, Sulawesi und Malaysien bestärkt.

Ein Besuch des Museums ist notwendig, da der Abrí nur mit Erlaubnis des Museumspersonals besichtigt werden kann. Dafür bekommt man auch eine sehr fachkundige und äußerst freundlich kleine Tour durch das Museum und zu den Petroglyphen.

Die dargestellten Figuren bestehen wie bereits erwähnt überwiegend aus anthropomorphen Figuren, Schildkröten (?), aber auch geometrischen Zeichen. Schriftzeichen sind eine spätere Hinzufügung und zeigen recht deutlich die Anziehungskraft die das Abrí über einen solch langen Zeitraum besitzt.

Selbst in dem modernen Tunnel, der zum Museum und Abrí führt, sind rezente Felsritzungen angebracht worden:

Natürlich können wir über den Grund für die Anbringung und die Bedeutung der Zeichen nur spekuliern; aber einige Interpretationshilfen stehen uns doch zur Verfügung. Zum Beispiel können wir von der generellen Verwendung von Höhlen und Felsvorsprüngen in prä-hispanischer Zeit auf den Grund der Anbringung der Felsritzungen schließen. Höhlen und Abri wurden sehr häufig für Bestattungen und/oder Opferhandlungen benutzt. Die berühmte Hockerbestattung von Duyong in Palawan ist nur ein Beispiel aus dem Neolithikum. Dem Toten wurden u. a. polierte Äxte mit ins Grab gegeben. Der Verstorbene ist in einem bereits vorhandenen Muschelhaufen eingegraben worden; die Zähne des jungen Mannes waren verfärbt wie es beim Kauen von Betelnüßen der Fall ist. Wir haben hier auch gleichzeitig den ältesten Nachweis des Gebrauches von Betelnüssen vorliegen. Aber auch im späteren Neolithikum und in den frühen Metallzeiten wurden Höhlen als Bestattungsplatz aufgesucht; Gefäßbestattungen oder auch Bestattungen in hölzernen Särgen fanden häufig in Höhlen statt.

Noch älter sind die Überreste eines Leichenbrandes in der Ille Höhle, Palawan. Die Bestattung einer jungen Frau wurde auch hier in einem bereits existierenden Muschelhaufen vorgenommen. Radiokarbondaten ergaben ein Alter von ca. 7000 v. Chr. (Lewis et al. 2008).

In Angono wurden keine menschlichen Überreste gefunden. Erschwerend für die Interpretation kommt hinzu dass die Ausgrabungsberichte außerhalb der Philippinen nur schwer zugänglich sind und internationale Publikationen in den seltesten Fällen vorliegen. Daher ist es mir natürlich unmöglich zu sagen ob der Abrí von Angono lediglich ein Wohnplatz war oder ob er eine rituelle Signifikanz aufwies. Waren die Beile beabsichtigt zerbrochen worden? Zeigen sie Spuren von Feuer? Sind die Schildkrötenpanzer eher selten in solcher Höhe (immerhin befindet sich Angono 235 m über dem Meeresspiegel)? Wurden sie in lokalen Anhäufungen gefunden die vielleicht auf eine Feierlichkeit schließen lassen? Das alles ist mir leider nicht bekannt, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Abrí von Angono eine besondere Bedeutung für die neolithische Bevölkerung hatte, denn er wurde wieder und wieder aufgesucht um erneut Zeichen und Symbole in die Wand eingeritzt zu bekommen.

Ort: 14°31’58.34″N 121°11’12.46″E

Lewis et al. 2008. Terminal Pleistocene to mid-Holocene occupation and an early cremation burial at Ille Cave, Palawan, Philippines, Antiquity 82, 318-35.

Peralta, Jesus T. 1973. The Petroglyphs of the Angono Rockshelter, Rizal, Philippines. Master Thesis, Department of Anthropology, University of the Philippines, Diliman. Philippines National Museum. Exploring the Pre-historic Angono Petroglyphs.

Exploring the pre-historic Angono petroglyphs (Blog)

Philippines National Museum

Advertisements

Whilst on a short holiday trip to Lago di Como in Northern Italy we visited Rupe Magna (‚Big Rock‘) in Valtellina, a roughly two-hours drive from Perledo where we stayed. Rupe Magna is an 84 m long and 35 m wide rock surface which was polished by glaciers and heavily engraved in prehistoric times. Here you can see the surface of the rock panel from the somewhat higher lying castle Visconti. The entire rock was traced by Footsteps of Man, Archaeological Cooperative between 1990 and 1995., therefore a quite exact number for the engravings is known; all in all the rock surface is covered with 5454 petroglyphs and is thus the largest engraved rock in the Alps.

Rupe Magna, Grosio

Although 83 % of the engravings are assignable to the Iron Age, the first figures belong to the final Neolithic and/ or Copper Age. These consist mostly of cup and ring marks, lines or lines which are  combined to arc like motifs.

Rupe Magna, Grosio, Lombardy, Italy

Rupe Magna, Grosio, Lombardy, Italy

In the Bronze Age anthropomorphic figures started to be added, the so-called oranti (praying figures, because the hold their arms up as if in prayer).

Oranti on Rupe Magna, final Bronze Age. Rupe Magna, Lombardy, Italy

Here is a figure to show you in more detail what is depicted. It was a rainy day and therefore the petroglyphs are not as visible as they are on sunny mornings or evenings when there is a deep shadow outlining the figures.

Rupe Magna, Grosio, Lombardy, Italy. Outline of anthropomorphic figure.

The figures developed into armed figures and even fighting scenes during the Iron Age and there are some crosses from historic times document a late use, although probably only to de-devilish the site as it was done in other areas, too. Representations of animals are scarce.

On the Rupestre.net webpage you can find this excellent chronological table for the Rupe Magna:

Most anthropomorphic figures are from the Bronze Age, a time when the site was already settled. Excavations at the castle site showed that it was settled at least from the beginning of the  Bronze Age. Here the stratigraphy from the excavation (the dark red colour symbolises the prehistoric, mainly Bronze Age, settlement):

Castello Visconti near Rupe Magna. Site stratigraphy

There is also an undeniable connection to Situla art, especially the depiction of fist fights with dumb-bells. Situlas can be found not only in the Etruscan area of influence but even more so  in the complete Eastern Hallstatt Culture, especially Istria and Slovenia, and as imported goods even in Germany and beyond.

W. Angeli, Ann. Naturhist. Museum Wien 78, 1974, Tafel 3

In 1978 a consortium for the protection and study of the engravings was established and there is a small museum, called the ‘Antiquarium’ near the site which displays objects from the excavations of the castle site. A bookshop is also present.

Further reading:

Arcà, A. et al. 1995. Rupe Magna, la roccia incisa piú grande delle Alpi, Sondrio.

http://www.rupestre.net/alps/valt_rupe.html

Zimmermann, E. 2003. Fighten – Faustkampf in der Situlenkunst – Kampf der Fäuste, Arheološki vestnik 54, 225-41.

If you are interested in some photos from our trip to England, go

Rollright Stones, Oxfordshire

here for the Rollright Stones, the King Stone, and the Whispering Knights in Oxfordshire and Warwickshire,

Uffington White Horse

here for Uffington Horse and the Uffington Castle hill fort,

Wayland's Smithy long barrow

and here for Wayland’s Smithy and Lambourn Seven Barrows, all in Oxfordshire.

Apart from the Great Pyramid Complex in Saqqara few buildings and artefacts relate directly to Khufu’s reign. Later descriptions and stories like the Westcar Papyrus (probably Middle Kingdom) and the writings of Herodotus (5th century BC)1 and Manetho (3rd century BC)2 were written many centuries after Khufu’s death and developed over time into distorted descriptions of a cruel and godless pharaoh. Since there are no contemporary sources, few details of his life are actually known. One puzzle piece in Khufu’s life, however, is the recently discovered inscriptions of expeditions and mining activities of Khufu. These signs, sometimes not more than a cartouche or a simple text, can nonetheless give us important information about Khufu’s ambitions and ideas concerning his role as pharaoh, his relationship with the ‘enemies of Egypt’, the outside, and even social changes within Egypt.

pdf file with a short essay about Khufu’s expeditions (written by me):

pdf file mit einem kurzen Essay (englisch)  über die Expeditionen Cheops (von mir geschrieben):

Khufu’s expeditions – Die Expeditionen des Cheops

 

An English version can be found here.

Der zweite Artikel, der es in die Topliste für Februar geschafft hat, ist eine Publikation über die Kolonisation von Polynesien. Vier hochkarätige Wissenschaftler kamen zusammen, um Radiocarbondaten für die Besiedelung Polynesiens erneut zu untersuchen und zu re-evaluieren. Dies sollte ein besseres Bild für die Besiedelungphasen ergeben. Janet Wilmshurst von Landcare Research, einer Umwelt- und Forschungsorganisation in Neuseeland ist wohl am besten bekannt für ihre Arbeit an pazifischen Ratten, die als Kulturfolger des Menschen sehr viel über die Kolonisierung aussagen können, Terry Hunt vom Institut für Anthropologie der Universität Hawaii, der sich besonders mit Rapa Nui beschäftigt, Carl Lipo vom Institut für Anthropologie in Long Beach ist auch der Mitbegründer des IIRMES Institus, dessen Interesse an der Entwicklung theoretischer Modelle zur Untersuchung von Entwicklungsmustern sich deutlich in diesem Artikel zeigt und schließlich Atholl Andersen vom ANU College Asien und Pazifik, der zur Zeit einem Projekt über die Erstbesiedelung des Indo-pazifischen Raumes vorsteht.

Die polynesische Kultur hat sich von Samoa und Tonga aus über ganz Ozeanien bis nach Rapa Nui im Osten, Hawaii im Norden und den Auckland Inseln im Süden ausgebreitet. Der zeitliche Rahmen und die Reihenfolge in der diese Besiedlung stattgefunden hat wird sehr kontrovers diskutiert. Die nachstehende Abbildung zeigt wie man sich dies bisher vorgestellt hat:

Wie man sehen kann, scheinen die verschiedenen Inseln zu unterschiedlichen Zeiten besiedelt worden zu sein. Einigkeit über den genauen Zeitpunkt und den Ablauf dieser Initialbesiedelung gab es jedoch nicht. Um sich des Problemes nachhaltig anzunehmen, benutzten Wilmshurst et al. eine ebenso einfache wie geniales Methode: eine einfache Revision der bis heute zur Verfügung stehenden Radiocarbondaten.

Daten von kurzlebigen Pflanzen oder Eierschalen von Landvögeln und generell Daten mit geringer Standardabweichung ( dies ist für das 13. Jahrhundert besonders wichtig wegen des Kalibrierungsplateaus) sprachen Wilmshurst et al. dabei höchste   Zuverlässigkeit zu und werden von den Autoren als Klasse 1 Daten bezeichnet. Ferner benutzen sie für diese Klasse nur Datenmaterial das in direktem Zusammenhang mit Kulturgütern oder Kulturfolgern (z. B. die pazifische Ratte Rattus exulans).

Ausgehend von Samoa und Tonga welche ca. 800 BC besiedelt wurden, konnten sie zeigen dass sich für Klasse 1 Daten eine sehr kurze Chronologie der Besiedelung ergab und zwar für alle Inseln einschließlich der entfernteren Inseln wie Rapa Nui und  Neuseeland. Zusammenfassend ergaben sich zwei Migrationsphasen für die Besiedelung Polynesiens:

Wilmshurst et al. 2011, fig.1
Eine erste Phase zu den Society Inseln und möglicherweise bis Gambier um ca. AD 1005 – 1121 (auf der Karte in orangener Färbung zu erkennen) und eine zweite Phase zu sämtlichen anderen Inseln Polynesiens um ca. AD 1200 – 1290  (auf der Karte in gelb gekennzeichnet). Diese Ergebnisse werden einen großen Einfluß auf zukünftige Untersuchungen der Besiedelungs- struktur Polynesiens haben.
Einige Chronologien konnten bestätigt werden (z.B. Neuseeland, Rapa Nui) andere jedoch zeigten erhebliche Abweichungen von der bis dahin vorherrschenden Vorstellung. So ergaben sich beispielsweise wesentlich spätere und kürzere Erstbesiedelungs-phasen für die Marquesas und die Hawaiianische Inselkette. Erstaunlich ist auch dass der Zeitpunkt für die Besiedelung der einzelnen Inseln im selben Zeitrahmen stattgefunden hat, selbst die von den Society Inseln am weitesten entfernten Inseln wie die Auckland Inseln, Hawaii und Rapa Nui wurden zum selben Zeitpunkt erreicht.
Nach dieser Feststellung diskutieren Wilmshust et al. mögliche Erklärungen für diese Besiedelungschronologie wie z. B. Bevölkerungswachstum, beabsichtige Erkundungszüge mit einhergehender technischen Innovation im Bootsbau. Aber auch  Umweltfaktoren werden als potentielle Ausläser angesprochen. Vulkanausbrüche sind im polynesischen Dreieck keine Seltenheit und man kenke nur an den großen Ausbruch von Kaharoa zu Beginn des 14. Jahrhunders in Neuseeland. Auch die extrem starke El Niño Phase im späten 12. bis frühen 13. Jahrhunderts könnte insbesondere für die Ausbreitungsrichtung von Bedeutung gewesen sein.
Abschließend sprechen die Autoren verschiedene Probleme an, die aufgrund der neuen Datenlage dringend eine neue Evaluation benötigen:
  • die Einfuhr von domestizierter Süßkartoffel
  • linguistische Probleme
  • die  Monumentalarchitektur
  • Gleichförmigkeit der kulturellen Güter
  • Einfluß dess Menschen auf das Ökosystem der jeweiligen Inseln

Diese Liste könnte noch erweitert werden mit Problemen der Genetik (vgl.. Brewis et al. 1995, Asia Pacific J Clin Nutr 4, 361-5) oder die Datierung von Felsbildern um nur einige zu nennen. Man kann nur hoffen, dass dieser Artikel zu neuer und erneuter Forschung anregt.

Alles in allem ein hervorragender Artikel, der ausgezeichnet darstellt, wie man mit Hilfe einfacher Mittel, hier die Re-Evaluierung von Radiocarbondaten ein stagnierendes Thema einen großen Schritt nach vorn bringen kann. Was mich persönlich überrascht hat, war die Tatsache, dass für fünf Inseln keinerlei Klasse 1 Daten existieren und mit Ausnahme von vielleicht Neuseeland zuverläßige Daten eher die Ausnahme denn die Regel darstellen.

Full citation of article: J M Wilmshurst, T L Hunt, C P Lipo, and A J Anderson, High-precision radiocarbon dating shows recent and rapid initial human colonization of East Polynesia, PNAS 108 (5), 2011, 1815-20.

Dieser Artikel ist online erhältlich durch die PNAS open access option.

There is an English review here.

Für Ben Potter von der University of Alaska in Fairbanks und den Doktorand Joshua Reuther von der University of Arizona, Tuscon wurde der Traum aller  Archäologen wahr: am letzten Abend ihrer Ausgrabung in Upward River Sun, einem spätpleistozänen/frühholozänen Fundort auf einer Düne in der Nähe des Tanana Flusses, stießen sie auf einen menschlichen Schädel. Die Ergebnisse ihrer Arbeit an diesem Fundort publizierten sie in der  Science magazine Ausgabe vom 25. Februar 2011.

URSS (Upward River Sun Site) hat mehrere runde Hüttengrundrisse zu verzeichnen. Schon diese Agglomeration von Bauten wäre sensationell, denn die Besiedelung in Beringia, also dem Gebiet zwischen Sibirien und Nordamerika, ist immer noch wenig verstanden, nicht zuletzt wegen der geringen Fundmenge. Eine Sensation allerdings bot Grundriß 5, wo in einem Grubenherd die Überreste des Leichenbrandes eines dreijährigen Kindes (+/- 1 Jahr) gefunden wurden. Der Fund ist von besonderer Bedeutung, da kaum Informationen über Bestattungssitten, die Lebensgemeinschaften oder rituelle Handlungen dieser ersten Siedler Nordamerikas vorliegen.

Der Fund wurde aufgrund der Holzkohle die für den Leichenbrand benutzt wurde als auch aus der Holzkohle der Abdeckung auf 11.500 cal BP datiert. Eine Zeit also, als die Bering Straße bereits wieder weitgehend unter Wasser stand und Menschen nur noch ganz oder teilweise auf dem Wasserweg die Bering See überqueren konnten.

 

Auf der Eurasischen Seite ist lediglich ein Fundort mit Bestattungen aus annähernd dieser Zeit bekannt. Es handelt sich dabei um den Fundplatz Ushki See auf Kamtschatka in Russland. Im Beringia der Nordamerikanischen Seite ist ebenfalls nur ein Fundplatz bekannt: bei diesem handelt es sich allerdings um ein menschliches Skelett das in einer Höhle (On-Your-Knees Cave) gefunden wurde. Ob es sich hier um eine reguläre Bestattung handelt oder aber um einen Unfall, kann nicht näher bestimmt werden. Das Skelett weist auf jeden Fall Bißspuren von Karnivoren auf. Allerdings ist dieser Fundplatz ca. 1000 Jahre jünger als USRS.

Aber nun zum eigentlichen Fundort: das Kind von USRS wurde mit einer leichten Neigung nach rechts in Rückenlage auf die kreisrunde Herdstelle gelegt und dort verbrannt. Die erhaltenen Knochen waren noch annähernd in situ. Die direkte Verfüllung des Herdes nach dem ca. 1-3 Stunden dauernden Brandes machte die außergewöhnlich gute Erhaltung der fragilen Kinderknochen möglich. Das Holz für den Brand wurde als Pappelholz (Populus balsamifera) identifiziert. Unter den verbrannten Knochen  des Kindes befand sich eine Lage aus Tierknochenbrand, unter anderem handelte es sich hierbei um Lachsartige, Wühlmäuse, Eichhörnchen, aber auch Vögel wie Schneehuhn und Sperlingsartige. Die Wühlmäuse wurden am Stück im Grubenherd deponiert während die Eichhörnchen wohl  zubereitet waren (Potter et al. sprechen von ‚ground‘, also zermahlenen Eichhörnchen). Das ganze Ereignis muss im Hochsommer stattgefunden haben, da die Epiphysen der Eichhörnchen noch nicht verwachsen waren und die Funde von Lachs ebenso darauf hinweisen. Unmittelbar mit dem Gebäude assoziiert waren ca. 350 lithische Artefakte in einer Konzentration auf der Ostseite, wahrscheinlich der Rückseite der Hütte wenn man die Verteilung der eingezeichneten Pfostenlöcher bedenkt. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um tertiäre Abschläge die man z. B. beim Nachschärfen von Werkzeug erhält. Ausgenommen zweier kleiner Ockerfragmente innnerhalb des Grubenherdes wurden keine Gegenstände gefunden die als Grabbeilagen gedeutet werden konnten.

Potter et al. 2011, Science 331, fig. 3

Die Autoren versuchen dann diesen Leichenbrand in einen größeren Kontext zu stellen. Dies erweist sich allerdings als schwierig, da in der östlichen Beringia keine menschlichen Überreste innerhalb von Bauwerken gefunden wurden und lediglich zwei Fundstellen mit Leichenbrand überhaupt bekannt sind (Marmes und Spirit Cave). Für die Autoren schien deshalb der Vergleich mit Ushki, wo Kinderbestattungen in flachen Gruben unter dem Boden von Grubenhäusern gefunden wurden, näherliegend.

Was mir an diesem Artikel weniger gefiel, waren die vorschnellen Interpretationen der Autoren. Von Anfang an wurde der Leichenbrand und das damit verknüpfte Gebäude als ‚die Bestattung und das Haus‘ (‘the burial and house‘), angesprochen und damit automatisch die Assoziation von einer  tatsächlichen ‚Bestattung‘ in einem domestischen Kontext hervorgerufen.

Können wir dies tatsächlich aus den vorliegenden Daten ableiten? Die nichtvorhandenen Knochen des Kindes waren letztendlich was mich an der Interpretation einer Bestattung störte. Die meisten Wirbelkörper und –bögen, Schulterblätter, Schlüsselbeine,  Hüftknochen und fast alle Knochen der Beine und Füße fehlten; dennoch lagen die verbliebenen zerbrechlichen Knochen etwa der Rippen oder Finger (und wir sprechen hier von Bruchstücken  unter 2 cm) annähernd in situ. Für mich bedeutet das, das jemand vor der Auffüllung des Grubenherdes die fehlenden Knochen (die 80 % des Skelettes ausmachen) sehr vorsichtig entfernt hat. Die Kremation könnte also auch als eine Vorbereitungsmaßnahme für die eigentliche Bestattung angesprochen werden. Die für die Bestattung ‚wichtigen‘ Knochen wurden entfernt und die eigentliche Bestattung fand an einem anderen Ort statt. Damit wäre dieser Platz lediglich ein Ort der Exkarnation. Das würde auch das Fehlen der Grabbeigaben erklären.

Ebenso scheint mir die Behauptung dass die verbrannten Faunenreste zu früheren Nutzungsperioden gehörten fragwürdig, da die Radiocarbondaten alle im selben Zeitrahmen liegen. Eine andere Erklärung wäre ein vorangestellter Leichenschmaus oder eine rituelle Verbrennung, immerhin sprechen wir hier von 213 Mäusen und Wühlmäusen (1/3 aller Tierarten) die  am Stück verbrannt wurden.

Die Steingeräte selbst spiegeln keine Wohnnutzung des Gebäudes wieder, da es sich lediglich um Abschläge zur Werkzeuginstandhaltung  handelt. Da keine anderen Gebrauchsgeräte (Abschläge oder Mikroklingen) in Assoziation mit dem Gebäude gefunden wurden könnte es sich um ein einzigartiges Ereignis gehandelt haben, eine speziell für die Verbrennung/Exkarnation gebaute Hütte. Ebenso wurde kein sonstiger Wohnabfall gefunden, weder im Herdbereich noch im oder um das Haus herum.

Im Plan sind um die Hütte 5 größere Mengen an Holzkohle eingezeichnet, eine Tatsache auf die die Autoren überhaupt nicht eingehen.

Trotz der suggestiven und übereiligen Interpretationen ist dies eine Entdeckung von herausragender Bedeutung. Die exzellente geoarchäologische Bearbeitung und die detaillierte  und hervorragende Faunen- und anthropologische Untersuchung wird eine Menge zum Verständnis der Besiedelung von Nordamerika beitragen. Darüber hinaus haben wir die seltene Gelegenheit einen Blick auf rituelle Handlungen und Totenbrauch der frühen amerikanischen Siedler zu erhalten.

Full citation of article: BA Potter et al., A Terminal Pleistocene Child Cremation and Residential Structure from Eastern Beringia, Science 331, 2011, 1058-62.

Petrie Museum, London

The Petrie Museum is with roughly 80,000 artefacts one of the finest museums on Egyptian and Sudanese archaeology. The initial collection was donated by the writer Amelia Edwards. Together with Sir William Flinders Petrie’s private collection, which he sold to the University College in 1913 it soon became one of the leading collections of Egyptian art outside of Egypt.

Hopefully they will move into a new building soon where the richness of their collection can be more appreciated than at their current home in the Darwin Building on the UCL campus.

Meanwhile enjoy a collection of memories from this year’s visit  here at my blog 🙂

Mit seinen über 80.ooo Sammlungsstücken ist das Petrie Museum in London eines der bedeutendsten Museen für ägyptische und sudanesische Archäologie außerhalb Ägyptens. Die ersten Stücke wurden von der Schriftstellerin Amelia Edwards an das University College in London gestiftet. 1913 hat dann Sir William Flinders Petrie seine umfangreiche Privatsammlung an das College verkauft. Zuerst nur für Forscher und zur Ausbildung von akademischen Nachwuchs gedacht ist das Museum heute öffentlich zugänglich. Es befindet sich nach wie vor auf dem Gelände des University Colleges (UCL) im sogenannten Darwin Building in Bloomsberry.

Ein größeres Museum ist in Planung, wird aber noch sicher dieses Jahr dauern. Dann jedenfalls wird die Sammlung über drei Stockwerke ausgestellt und kann so besser gewürdigt werden als in den bisherigen 2 Räumen und ein Treppenhaus 🙂

Wer sich bis dahin schon mal ein Bild der Objekte dort machen will kann auf meinem Blog nachschauen. Ich habe dort einige Erinnerungen von meinem diesjährigen Besuch im Petrie Museum online gestellt.