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Archive for Oktober 2012

Vor kurzem war ich auf einem Alumni Treffen meiner alten Uni (University of Reading) in London. Die Zeit hab ich natürlich auch genutzt um im Britischen Museum vorbeizuschauen. Gleich im Eingangsbereich wurden einige Jōmon Gefäße ausgestellt. Am faszinierendsten sind ja immer die Flammentöpfe (火焔土器). Dieser hier ist eine Leihgabe des Nagaoka Municipal Science Museums aus Nagaoka und derzeit in London zu sehen:

Flammentopf, Mittel-Jomon, ca. 3000 BC, Iwanohara, Nagaoka, Niigata Pref.

Ein bißchen haben mich die ‚Flammen‘ (es wird auch von springenden Lachsen auf Wellen gesprochen) an ein schreiendes Gesicht erinnert 🙂

Edvard Munch: Der Schrei
http://www.munch.museum.no/

Ausschnitt aus obigem Flammentopf

In der eigentlich Abteilung für Japanisches findet man dann noch weitere Gegenstände auch aus der Frühgeschichte. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan, waren doch früher meist Gegenstände aus der historischen Periode ausgestellt. Hier ein weiterer Flammentopf der mittleren Jomonzeit:

Ebenfalls aus der Jōmonzeit stammen die Dogū-Figurinen (土偶). Diese hier ist ebenfalls aus der mittleren Jōmonzeit (ca. 2500 BC) und stammt aus der Chūbu Region in Honshū.

Dogū aus der Cūbu Region, Britisches Museum London

Ob es sich bei den Verzierungen tatsächlich um tattoos handelt, (wie es das Britische Museum schreibt) oder um Bekleidung/Rüstung ist umstritten, wie noch so vieles in dieser faszinierenden Kulturepoche Japans.

Mit dem Reisanbau und dem Zufluß koreanischer Bevölkerung beginnt in Japan die Yayoi Zeit. Reiche Bestattungen finden in Grabhügeln statt und gegen Ende der Yayoi und Beginn der Kofun Zeit werden Tonfiguren, sogenannte Haniwa (埴輪) auf den Grabhügel, um das Grab herum und entlang des Zugangsweges der zum Eingangsbereich führt, aufgestellt.

from:The Illustrated Haniwa Book (図説はにわの本)
http://www.toda-c.ed.jp/446/445393.html

Diese Haniwa soll eine junge Frau darstellen, aber wie an der Krieger-Haniwa weiter unten zu sehen ist, hat diese Figur die gleichen Merkmale: rote Gesichtsbemalung und was hier als Perlenhalsband gedeutet wird, ist ebenso bei dem Krieger vorhanden. Ohne den zugehörigen Körper ist es manchmal sehr schwer zu entscheiden ob es die Darstellung eines Mannes oder einer Frau sein soll.

Haniwa in Form einer jungen Frau, 6. Jahrhundert n. Chr.
Nakachō, Higashi-Iburaki-gun, Iburaki Pref.

Seitenansicht der Haniwa aus Nakachō

Seit dem 5. jahrhundert n. Chr. wird die Darstellung von militärischer Ausrüstung immer wichtiger; dies zeigt sich auch in den Formen der Haniwas. Krieger mit detaillierten Rüstungen und Waffen werden beliebter. Dieser junge Krieger trägt eine Art Rüstung mit gepanzerten Stulpen:

Haniwa in Form eines Kriegers, 6. Jahrhundert n. Chr.
Mito city, Ibaraki pref.

Detail der Panzerstulpen

Bronzespiegel wurden als Geschenke von China nach Japan gebracht. Erst in der Nara Zeit wurden Spiegel lokal hergestellt, was an der Motivwahl gut erkennbar ist, denn chinesische Motive wurden einfach ersetzt. So wurden statt chinesischer Pflanzen japanische Kirschblüten, statt dem Phönixvogel einfach Kraniche dargestellt.

Dieser Spiegel hier ist ein recht frühes Modell (2. bis 5. Jahrhundert n. Chr.) und mit geometrischen Motiven verziert. Er hat einen Durchmesser von 16,8 cm und wiegt 525 g.

Bronzespiegel, AD 100-500

Typischerweise wurden diese Spiegel dem Toten als Grabbeigabe mitgegeben. Manche Gräber enthalten Dutzende dieser Spiegel, die meistens am Kopfende niedergelegt werden, wie auch in diesem Grab:

Kofungrab in Nara Pref., 3. bis 4. Jahrhundert
www3.kcn.ne.jp/~yuka-o/kofun/news/kuro2.html

 

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