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Archive for September 2011

English version here.

Während unserer Sommerferien in den Philippinen verbrachten wir einige Zeit in Manila. Von hier ist es nur eine 2,5 bis 3-stündige Fahrt zur Felsbilderstation von Angono und somit konnten wir natürlich nicht umhin einen kleinen Tagesausflug dorthin zu machen.

Obwohl Angono im Bericht für den Antrag zur Aufnahme in die Unesco Liste des Weltkulturerbes die Fundstätte als Höhle bezeichnet, handelt es sich jedoch um einen Felsvorsprung (Abrí), der sich über eine Länge von 63 m hinzieht und an manchen Stellen eine Höhe von 5 m erreicht. Die Petroglyphen die in unterschiedlicher Tiefe in das Tuffgestein hineingeritzt wurden (von bis zu 4 cm tiefen Linien bis hin zu kaum sichtbaren Ritzungen) befinden sich auf einer tafelartigen Fläche von ca. 25 m Länge und bis zu 3 m Höhe.

Insgesamt 127 anthropomorphe Darstellungen sind derzeit bekannt;

Einige Figuren benutzen bestehende Risse oder Kanten wie zum Beispiel diese hier, deren Beine aus der Seitenwand einer natürlichen Vertiefung bestehen.

hinzu kommen etliche geometrische Motive wie Dreiecke, Vierecke und Kreise, sowie rezente Schrift.

Bis dato sind dies die ältesten Felsritzungen in den Philippinen. Nur noch eine weitere Fundstelle mit Felsritzungen ist bekannt (Alab, Bontoc, Mountain Province); diese sind jedoch um einiges später entstanden (jünger als 1500 v. Chr.) wenn ihre Datierung denn tatsächlich im Zusammenhang mit den Holzsarg-Bestattungen in einer etwas unterhalb von Alab liegenden Höhle zu sehen sind.

Aber nicht nur Felsritzungen sind in den Philippinen bekannt. Mit Holzkohle gemalte Figuren kennen wir aus der Peñablanca Höhle, Cagayan Tal und Ugpay Höhle im Singnapan Becken in Ransang, Palawan und Felszeichnungen aus rotem Hämatit sind von der Anda Halbinsel, Bohol Province bekannt.

Die Datierung ins Neolithikum kann natürlich nicht anhand der Felsritzungen durchgeführt werden, da es bis heute noch kein zuverläßiges Datierungsverfahren dafür gibt. Vielmehr ist die Datierung aufgrund der Ausgrabungen geschehen, welche vor dem Abrí durchgeführt wurden. Obwohl einige paläolithische Kieselstein Werkzeuge (pebble tools) gefunden wurden, stammt doch die Mehrheit der Funde aus dem Neolithikum: grobe bei niedriger Temperatur gebrannte Keramik, Schildkrötenpanzer und vor allem polierte Beile des Neolithikums. Ein gut erhaltenes Exemplar ist in dem kleinen Museum direkt neben der Fundstelle ausgestellt.

Dieses Ergebnis wird noch durch Vergleiche mit anderen datierten Fundstellen in Thailand, Sulawesi und Malaysien bestärkt.

Ein Besuch des Museums ist notwendig, da der Abrí nur mit Erlaubnis des Museumspersonals besichtigt werden kann. Dafür bekommt man auch eine sehr fachkundige und äußerst freundlich kleine Tour durch das Museum und zu den Petroglyphen.

Die dargestellten Figuren bestehen wie bereits erwähnt überwiegend aus anthropomorphen Figuren, Schildkröten (?), aber auch geometrischen Zeichen. Schriftzeichen sind eine spätere Hinzufügung und zeigen recht deutlich die Anziehungskraft die das Abrí über einen solch langen Zeitraum besitzt.

Selbst in dem modernen Tunnel, der zum Museum und Abrí führt, sind rezente Felsritzungen angebracht worden:

Natürlich können wir über den Grund für die Anbringung und die Bedeutung der Zeichen nur spekuliern; aber einige Interpretationshilfen stehen uns doch zur Verfügung. Zum Beispiel können wir von der generellen Verwendung von Höhlen und Felsvorsprüngen in prä-hispanischer Zeit auf den Grund der Anbringung der Felsritzungen schließen. Höhlen und Abri wurden sehr häufig für Bestattungen und/oder Opferhandlungen benutzt. Die berühmte Hockerbestattung von Duyong in Palawan ist nur ein Beispiel aus dem Neolithikum. Dem Toten wurden u. a. polierte Äxte mit ins Grab gegeben. Der Verstorbene ist in einem bereits vorhandenen Muschelhaufen eingegraben worden; die Zähne des jungen Mannes waren verfärbt wie es beim Kauen von Betelnüßen der Fall ist. Wir haben hier auch gleichzeitig den ältesten Nachweis des Gebrauches von Betelnüssen vorliegen. Aber auch im späteren Neolithikum und in den frühen Metallzeiten wurden Höhlen als Bestattungsplatz aufgesucht; Gefäßbestattungen oder auch Bestattungen in hölzernen Särgen fanden häufig in Höhlen statt.

Noch älter sind die Überreste eines Leichenbrandes in der Ille Höhle, Palawan. Die Bestattung einer jungen Frau wurde auch hier in einem bereits existierenden Muschelhaufen vorgenommen. Radiokarbondaten ergaben ein Alter von ca. 7000 v. Chr. (Lewis et al. 2008).

In Angono wurden keine menschlichen Überreste gefunden. Erschwerend für die Interpretation kommt hinzu dass die Ausgrabungsberichte außerhalb der Philippinen nur schwer zugänglich sind und internationale Publikationen in den seltesten Fällen vorliegen. Daher ist es mir natürlich unmöglich zu sagen ob der Abrí von Angono lediglich ein Wohnplatz war oder ob er eine rituelle Signifikanz aufwies. Waren die Beile beabsichtigt zerbrochen worden? Zeigen sie Spuren von Feuer? Sind die Schildkrötenpanzer eher selten in solcher Höhe (immerhin befindet sich Angono 235 m über dem Meeresspiegel)? Wurden sie in lokalen Anhäufungen gefunden die vielleicht auf eine Feierlichkeit schließen lassen? Das alles ist mir leider nicht bekannt, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Abrí von Angono eine besondere Bedeutung für die neolithische Bevölkerung hatte, denn er wurde wieder und wieder aufgesucht um erneut Zeichen und Symbole in die Wand eingeritzt zu bekommen.

Ort: 14°31’58.34″N 121°11’12.46″E

Lewis et al. 2008. Terminal Pleistocene to mid-Holocene occupation and an early cremation burial at Ille Cave, Palawan, Philippines, Antiquity 82, 318-35.

Peralta, Jesus T. 1973. The Petroglyphs of the Angono Rockshelter, Rizal, Philippines. Master Thesis, Department of Anthropology, University of the Philippines, Diliman. Philippines National Museum. Exploring the Pre-historic Angono Petroglyphs.

Exploring the pre-historic Angono petroglyphs (Blog)

Philippines National Museum

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